Minimalismus beim Trekking – Weniger ist oft mehr
Mein erster Minimalismus-Moment
Es ist faszinierend, mit wie wenig man auf einer Trekkingtour auskommt. Schon bei meinem zweiten Aufenthalt in Nepal, meiner allerersten Trekkingtour, habe ich das erfahren. Mein Rucksack war beschämend klein – zumindest fühlte es sich so an, wenn ich ihn neben die riesigen Rucksäcke meiner Mitwanderer stellte.
„Hast du nichts vergessen?“, fragte ich mich. Und als einer aus der Gruppe wissen wollte, ob das wirklich alles sei, antwortete ich selbstbewusst: „Ja natürlich, mehr brauche ich nicht!“
Unser Ziel war damals das Langtang Valley über Thulo Syabru. Zwölf Tage waren wir unterwegs – und ich habe nichts vermisst. Kein Kleidungsstück, kein Extra. Das gute Wetter spielte mit, nichts ging kaputt. Und so lernte ich: Weniger ist oft mehr.
Trekking mit leichtem Gepäck
Auch auf späteren Touren habe ich den Minimalismus beibehalten – mit einer Ausnahme: der Fotoausrüstung. Die wog zwar meist 4–5 Kilo, aber durch geschickte Auswahl bei den Objektiven konnte ich auch da einiges einsparen. Bei Kleidung und sonstiger Ausrüstung war ohnehin Minimalismus angesagt. Am Ende waren es gerade einmal drei Kilo für alles andere: Jacke, Schuhe, Sonnenschutz, Notizbuch und ein wenig Wechselkleidung. Die halbierte ich mit meinem Porter, die eine echte Freude an mir, bzw. an meinem Gepäck hatten.
Porter oder Freund und Begleiter?
Das Schöne in Nepal ist: Man hat Träger, die das Gepäck übernehmen. Doch für mich ist ein Porter mehr als ein Lastenträger – er ist Begleiter, manchmal Freund, manchmal Retter in der Not. Und in der Regel trägt mein Begleiter weniger als ich! Das kommt durch meine Fotoausrüstung! Die trage ich selber!
Einmal fragte ich einen meiner Begleiter: „Wenn du nicht für Touristen tragen müsstest – was würdest du selbst auf eine Trekkingtour mitnehmen?“
Er lächelte, dachte kurz nach und antwortete: „So wenig wie möglich. Nicht, um frei zu sein – sondern um arbeiten zu können. Je leichter mein Gepäck, desto mehr Kraft habe ich. Und wenn ich Kraft habe, kann ich mehr Touren machen, Geld verdienen, meine Familie versorgen.“
In diesem Moment wurde mir bewusst: Für mich ist Minimalismus eine Wahl, für ihn oft eine Notwendigkeit. Auch eine Notwendigkeit des Leistbaren! Und doch – wir meinten beide dasselbe. Weniger Ballast bedeutet weiter gehen, leichter atmen, offener sein für das, was vor uns liegt. Manchmal denke ich darüber nach, was in einem Menschen vorgeht, der unsere Lebensweise vielleicht gar nicht versteht, es beneidet, oft mit dem Wissen es nie in diese Situation zu schaffen. Wo die Einfachheit des Lebens zur ungewollten Langeweile wird. Wir begeben uns in eine Welt nach Nepal, wo die Armut, die Einsamkeit, die Einfachheit, das halbe Leben durch Verzicht bestimmt ist, aber mit dem Wissen nach einer bestimmten Zeit wieder in unseren wohligen, warmen, gut behüteten Umwelt zu sein. Haben es Menschen verdient, so leben zu müssen?
Meine Porter wurden immer zu Freunden. Ich akzeptiere es nicht, wenn die Trekkingagentur den Portern, den Umgang mit ihren Touristen untersagten.
Die Freiheit des Wenigen
Ob im Everest Base Camp oder am Manaslu Circuit: Sobald die Kondition da ist, stellt sich eine unglaubliche Leichtigkeit ein. Das Leben reduziert sich auf das Wesentliche:
- Wie geht es mir? Bin ich fit für den heutigen Tag?
- Habe ich die Kraft und Muße, den Weg zu fortzusetzen und zu genießen?
Die Nacht war kalt, aber der Sternenhimmel? Noch nie vorher so einen gesehen!
Das Frühstück, ein Traum! - Welche Bilder habe ich gestern eingefangen?
Unzählige Gedanken schwirren durch den Kopf!
Mehr braucht es nicht. Und gerade das, macht Glück aus: unterwegs zu sein, in einer magischen Landschaft, mit Menschen, die unterwegs zu Freunden werden.
Kleine Freuden und geteilte Gerüche
Mit wenig Kleidung unterwegs zu sein, heißt auch: weniger Auswahl. Manchmal schlüpft man eben wieder in dieselben Socken, die man notdürftig in eiskaltem Wasser ausgewaschen hat. Das zweite T-Shirt riecht auch nicht mehr frisch. Aber weißt du was? Alle um dich herum sind im selben Boot – und genau das macht es entspannt.
Parfum? Überflüssig. Minimalismus bedeutet, die Gedanken freizuhaben – für das Hier und Jetzt, für die Landschaft, für Begegnungen. Am Abend erinnere ich mich oft nicht an das große Ganze, sondern an kleine Details am Weg: einen Stein, eine Wurzel, Yak-Dung, bunt geschmückte Menschen und Eselkarawanen.
Fazit – Minimalismus ist Freiheit
Für mich bedeutet Minimalismus beim Trekking keinen Verzicht. Im Gegenteil: Es ist Freiheit. Weniger Gewicht, weniger Ballast, weniger Sorgen – dafür mehr Raum für Begegnungen, Eindrücke und Erlebnisse, die bleiben.
Zum Nachdenken für ein leichteres Leben!
Praktische Gründe
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Weniger Gewicht = mehr Genuss: Wer leicht unterwegs ist, hat mehr Energie für das Wesentliche – Landschaft, Begegnungen, innere Ruhe.
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Flexibilität: Mit kleinerem Gepäck bist du beweglicher, schneller, entspannter.
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Sicherheit: Weniger Ballast bedeutet weniger Risiko für Verletzungen (Rücken, Knie, Blasen).
Respekt gegenüber den Portern
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Viele Träger arbeiten unter extrem harten Bedingungen und tragen oft das Doppelte oder Dreifache des eigenen Körpergewichts.
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Wer selbst reduziert packt, entlastet nicht nur seinen Porter, sondern zeigt auch Respekt für dessen Gesundheit und Arbeit. Und das macht Freunde!
Psychologische Ebene
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Minimalismus schafft Freiheit: Kein Nachdenken über „Was ziehe ich an?“, weniger Sorge, etwas zu verlieren.
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Weniger Besitz unterwegs = mehr Achtsamkeit für das Hier und Jetzt.
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Die kleinen Unbequemlichkeiten (stinkende Socken, ein abgetragenes T-Shirt) gehören dazu und machen die Erfahrung echter.
Konkrete Tipps zum leichter Packen
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Regel 1: Alles wiegen! Wer sein Gepäck vor der Tour wiegt, merkt schnell, wo er sparen kann.
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Regel 2: Halbiere deine Liste! Schreibe auf, was du glaubst zu brauchen – und streiche die Hälfte.
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Regel 3: Multifunktional packen – ein Buff statt Schal, Mütze und Stirnband.
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Regel 4: Vertrauen statt Vorrat – vieles kann man unterwegs kaufen oder improvisieren.
Emotionale Ansprache
Stelle dich folgende Fragen!
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„Wofür bist du eigentlich unterwegs – für die Natur oder für deine Ausrüstung?“
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„Möchtest du, dass sich dein Porter an deine Geschichten erinnert oder an die Last deines Rucksacks?“
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„Stell dir vor, du würdest nur das mitnehmen, was du wirklich brauchst – wie viel leichter würdest du dich fühlen?“

