Portraitfotografie Teil 1

Portrait Augen

Portraitfotografie – Die Blende

Die Blende verstehen

Warum die Blende so wichtig ist

Die Blende gehört zu den wichtigsten Werkzeugen eines Fotografen. Sie beeinflusst nicht nur die Helligkeit eines Bildes, sondern auch die Tiefenschärfe – also wie viel von einem Motiv scharf erscheint.

Gerade in der Portraitfotografie entscheidet die Blende darüber, ob der Blick des Betrachters auf die Augen gelenkt wird oder ob auch Hintergrund und Umgebung stark wahrgenommen werden.

Detailed monochrome close-up of a camera lens displaying the aperture blades.

Was ist die Blende?

Die Blende ist eine verstellbare Öffnung im Objektiv. Je kleiner die Blendenzahl umso größer ist die Öffnung. (mehr Licht) 
Je größer die Blendenzahl, umso kleiner ist die Öffnung.(weniger Licht)
Beispiel: f/2.8 = große Öffnung, f/4, f/5,6, f/8, f/11 = kleinere Öffnung,

Welche Auswirkungen hat die Blende?

1. Helligkeit

Eine größere Öffnung lässt mehr Licht auf den Sensor.

Beispiel:

f/8 → f/5.6 → f/4

Mit jedem Schritt gelangt mehr Licht auf den Sensor.

2. Tiefenschärfe

Eine große Blendenöffnung (z. B. f/2.8) erzeugt eine geringe Tiefenschärfe.

Eine kleine Blendenöffnung (z. B. f/11) erzeugt eine große Tiefenschärfe.

Merksatz:

Kleine Blendenzahl = wenig Tiefenschärfe

Große Blendenzahl = viel Tiefenschärfe

Portrait kind

Welche Blende eignet sich für Headshots?

Für klassische Portraits arbeite ich meistens zwischen:

f/4 und f/5.6

Warum?

Bei f/2 können – je nach Abstand und Brennweite – bereits Teile des Gesichts unscharf werden.

Bei f/11 wird zwar fast alles scharf, gleichzeitig steigt jedoch der Blitzbedarf deutlich an.

f/5.6 stellt deshalb häufig einen guten Kompromiss dar:

beide Augen bleiben meist scharf,

der Hintergrund wirkt angenehm unscharf,

die Blitzleistung bleibt moderat.

Blende und Blitz

Im Studio gilt eine wichtige Regel:

Die Blende beeinflusst die Helligkeit des Blitzlichts.

Änderst du die Blende von f/5.6 auf f/8, erreicht weniger Blitzlicht den Sensor.

Das Bild wird dunkler.

Um die gleiche Helligkeit zu erhalten, kannst du:

die Blitzleistung erhöhen,

den Blitz näher an das Modell stellen,

die ISO erhöhen.

Typische Anfängerfehler und einfach zum nachdenken!

Fehler 1:

„Eine kleine Blende bedeutet eine kleine Blendenzahl.“

Falsch.

Eine kleine Blendenzahl (z. B. f/2.8) bedeutet eine große Öffnung.

Fehler 2:

„Für Portraits immer die größtmögliche Öffnung verwenden.“

Nicht unbedingt.

Eine zu offene Blende kann dazu führen, dass nur ein Auge scharf ist.

Fehler 3:

„Mehr Unschärfe bedeutet automatisch ein besseres Portrait.“

Ein gutes Portrait lebt vom Licht, vom Ausdruck und von der Bildgestaltung – nicht allein von einer offenen Blende.

Einige Übungen zum Nachmachen!

Übung 1:

Du fotografierst mit:

  • ISO 160
  • 1/250 s
  • f/8
    Das Bild ist zu dunkel.

Wie kannst du es heller machen, ohne die Blitzleistung zu verändern?

Übung 2:

Du wechselst von f/8 auf f/4.

Welche Auswirkungen hat das auf:

  • die Lichtmenge?
  • die Tiefenschärfe?

Übung 3:

Warum verwenden viele Portraitfotografen nicht dauerhaft f/1.4?

Merksätze:

  • Die Blende steuert die Lichtmenge.
  • Die Blende beeinflusst die Tiefenschärfe.
  • Kleine Blendenzahl = große Öffnung.
  • Große Blendenzahl = kleine Öffnung.
  • Im Studio ist f/4 bis f/5.6 oft ein guter Ausgangspunkt für Headshots.
  • Die Blende verändert die Helligkeit des Blitzlichts.